Willkommen im Bobbyversum
- gurufreie Zone -


Demeter, schon mal gehört, klar. Bioland? Ja schon auch, aber Gaia, Biokreis, Ecoland? Die deutschen Bioanbauverbände schweben im Dunst des Allgemeinen und waren und sind doch (auch wenn sie immer wieder um sich selbst kreisten und kreisen) DER Motor für die Entwicklung der ökologischen Landwirtschaft. Hier stelle ich sie Dir der Reihe nach vor.

INHALT

- Bioland
- Demeter
- Gäa
- Naturland

*******************************************

 

BIOLAND

Bioland ist der größte deutsche Anbauverband

(pp).- Wenn Demeter der weltweit größte Bio-Anbauverband ist, dann ist Bioland der größte auf deutscher Ebene. Ein zweiter Vergleich: Demeter ist stark ideell beseelt. Das finden die einen super, den anderen war das zu dogmatisch und sie gründeten einen Verband, der weniger den Geist hinter der Natur als vielmehr die nachprüfbare Natur selbst zum Vorbild nimmt. So waren es auch überwiegend die Bioland-Richtlinien, die bei der Erarbeitung der EU-Öko-Verordnung Pate standen (die dann allerdings bei weitem nicht so streng ausfiel wie ihre Vorlage).

Strenge Richtlinien vom Pflanzenbau bis zur Verarbeitung

Heute arbeiten über 5.230 Biobauern und mehr als 865 Lebensmittel-Hersteller bzw. -Verarbeiter unter dem Dach von Bioland. Die Wurzeln von Bioland liegen in der Bauernheimatbewegung der Schweiz Anfang des 20. Jahrhunderts. Doch dauerte es bis 1971, ehe die Zeit reif war für den Vorläuferverband von Bioland, den „bio-gemüse e.V.“, der sich Mitte der 70er Jahre in „Bioland“ umwandelte und 1981 schon 200 Mitglieder hatte. Zunächst lag es nahe, Richtlinien für die Erzeugung von Pflanzen zu erarbeiten, an die sich alle Landwirte und Gärtnereien zu halten hatten. Inzwischen sind Verarbeitungsrichtlinien für Milch(produkte), Brot und Backwaren, Getreideerzeugnisse, Wurst- und Fleischwaren, Wein/Sekt und viele mehr hinzugekommen, die alle verpflichtend sind und vom Verband kontinuierlich überprüft werden (zusätzlich zu den jährlichen EU-Prüfungen), sofern jemand damit Werbung machten möchte.

Geschlossene Kreisläufe ahmen die Natur nach

Ähnlich den Demeterprinzipien streben Betriebe des organisch-biologischen Landbaus (Bioland-Betriebe) nach möglichst geschlossenen Stoffkreisläufen, in denen sich Kunstdünger und chemische Pflanzenschutzmittel erübrigen. Dazu gehören sorgfältige Sortenwahl, vielseitige Fruchtfolgen, Kräuterauszüge und Heckenanlagen zur Förderung von Bodenleben und Ökosystem, Stickstoff bindende Pflanzen, die Förderung von Nützlingen und die Flächenbindung der Tiere. Das heißt: Es dürfen nur so viele Tiere gehalten werden, wie Futter auf den eigenen Betriebsflächen erzeugt werden kann. Die Tiere werden artgerecht gehalten und bei Erkrankung bevorzugt mit Naturheilverfahren und homöopathischen Mitteln behandelt. Antibiotika oder Hormone als Leistungsförderer sind tabu.

INFOKASTEN
Unterschiede zwischen Bioland und Bio nach EU-Richtlinien

(pp).- Die strengen Bioland-Richtlinien für Landwirte und Hersteller gehen weit über die EG-Öko-Verordnung hinaus und werden ständig weiterentwickelt. Folgende Regeln gelten zusätzlich für alle Bioland-Betriebe (nicht aber für Betriebe, die nur nach der EU-Ökoverordnung arbeiten):

- Die Stickstoffdüngung ist begrenzt, zum Beispiel auf 112 kg pro Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche (10.000 qm) und Jahr, im Obstbau auf 90 kg. Maximal 40 kg/Jahr dürfen zugekauft werden, den Rest muss der Betrieb selbst erzeugen.

- Zukauf von Gülle, Jauche und Geflügelkot aus konventioneller Tierhaltung als Dünger ist unzulässig.

- Blut-, Fleisch- und Knochenmehle sind verboten.

- Maximal 140 Legehennen, 280 Hähnchen oder 10 Mastschweine pro ha (10.000 qm). Spezialregelung für die Junghennenaufzucht.

- Kuhtrainer sind verboten (Metallbügel, der die Kuh zum Zurücktreten zwingt, indem er ihr einen Stromschlag versetzt, wenn sie beim Harnen oder Koten artgemäß den Rücken krümmt).

- Fischmehl ist als Futterbestandteil unzulässig.

- Ausschließliche Fütterung mit Silage ist verboten.

- Begrenzung des Torfeinsatzes im Gartenbau.

- Im Winter dürfen Gewächshäuser nur frostfrei gehalten werden (ausgenommen sind Jungpflanzen- und Topfkräuteranzucht).

- In der Verarbeitung sind 22 Stoffe zugelassen (Eu-Bio-Verordnung: 47), kein Pökelsalz in der Wurst.

Bobby Langer

(Copyright press-partners)

ZURÜCK

************************************

DEMETER

Das Urgestein der Bio-Anbauverbände heißt Demeter

(pp).- Noch vor wenigen Jahren zweifelten viele Deutsche an der Seriosität der Bezeichnung „Bio“ an Lebensmitteln. Seit sich jedoch deutsche und EU-Gesetzgebung der Sache angenommen haben und es seit 1999 sogar eine europaweit geltende Öko-Verordnung gibt, hat sich die Situation gewandelt. Da nun „Bio“ drin sein muss, wo „Bio“ drauf steht, zweifeln am Wert von Öko nur noch wenige.

Bio-Anbauverbände strenger als EG-Öko-Verordnung

Doch ausgerechnet in dieser Situation wären zumindest kleine Zweifel angebracht. Denn die so genannte EG-Öko-Verordnung bzw. Europäische Öko-Verordnung ist ein Kompromiss, der so manches zulässt, was die Bio-Anbauverbände in der Regel ausschließen. So darf zum Beispiel ein Bauernhof nur teilweise auf Bio umgestellt werden (was Abgrenzung und Kontrolle erschwert), während der andere Teilbereich desselben Hofes mit den üblichen agrarchemischen Methoden arbeitet. Ein anderes Beispiel: Konventionelle Gülle, Jauche und Geflügelmist dürfen zugekauft werden, auch wenn diese aus einer nicht ökologischen Tierhaltung stammen. EU-Bioware darf auch generell bis zu 0,9 Prozent unbeabsichtigte gentechnische Verunreinigungen enthalten; sind bestimmte Stoffe nur aus gentechnischer Herstellung auf dem Markt, dürfen sie mit einer Ausnahmegenehmigung auch für Bioprodukte verwendet werden.

In aller Regel darf man davon ausgehen, dass Produkte, die das Siegel eines Bio-Anbauverbandes tragen, unter strengeren Auflagen produziert wurden als solche ohne. Hinzu kommt, dass Landwirte, die nach den Auflagen eines Anbauverbandes arbeiten, sich doppelt kontrollieren lassen müssen: von den staatlichen Kontrolleuren und von denen des Anbauverbandes. Demeterbauern müssen außerdem regelmäßig an so genannten Hofgesprächen teilnehmen, regionalen Treffen, bei denen sich die Mitglieder gegenseitig unterstützen.

Homöopathie für Boden und Pflanzen

Demeter gilt als strengster Bio-Anbauverband, der zugleich auch der älteste Verband ist und sein Logo seit 1928 verwendet. Dass der Verband den Namen der griechischen Mutter- und Fruchtbarkeitsgöttin Demeter trägt, ist kein Zufall. Letztlich sollen hier übersinnliche Kräfte und Kräfte, die dem Willen des Menschen unterliegen, zusammenspielen und ein harmonisches Miteinander von Menschen, Tieren, Pflanzen, Erde und Kosmos ermöglichen. Das Ergebnis sind dann nach Demeter-Logik gesunde Nahrung und hochwertige Produkte.

Die angewendeten Anbaumethoden bewirken, dass die für die Bodenfruchtbarkeit verantwortliche Humusschicht ständig wächst, der Boden ist also nach dem Anbau fruchtbarer als vorher. Typisch für die Demeter-Erzeugung sind zum Beispiel die Ausrichtung der Aussaat nach den Mondphasen und die selbst hergestellten, feinstofflich wirkenden Präparate (aus Baldrian, Kamille, Schafgarbe, Löwenzahn, Eichenrinde oder fein zerriebenen Quarzkristallen). Das berühmteste Präparat ist das Hornmist-Präparat. Um es zu gewinnen, wird ein Kuhhorn mit Kuhdung gefüllt im Frühherbst vergraben. Im Frühjahr wird das Horn ausgeschabt, der Inhalt mit Wasser verrührt und das Ganze als feiner Sprühregen auf die Nutzflächen ausgebracht - Homöopathie für Boden und Pflanzen. Denn die Präparate sollen den Boden dynamisieren; das heißt, sie sollen die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig fördern und dazu beitragen, dass sich das charakteristische Aroma der Lebensmittel voll entwickelt.

Einfach die größten

Die theoretischen Grundlagen dieser so genannten anthroposophischen Anschauungsweise und ihrer Umsetzung in die biologisch-dynamische Landwirtschaft schuf Rudolf Steiner ab 1924. Demeter betreibt einen eigenen „Forschungsring für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise“; das Produktspektrum umfasst mehr als 3.500 Lebensmittel, außerdem Babynahrung, Kosmetika und Baumwolle. In Deutschland wirtschaften rund 1.400 Landwirte mit über 50.000 Hektar Fläche biologisch-dynamisch; weltweit betreiben diese älteste Bioanbaumethode über 3.500 Betriebe in 35 Ländern auf fünf Kontinenten. Damit ist Demeter die weltweit größte Anbieter-Gemeinschaft ökologischer Waren.

Wer sich einmal einen Demeterhof anschauen will, der kann dies in einem der rund 40 Demonstrationsbetriebe tun. Deren Adressen finden sich im Internet unter www.demeter.de (Rubrik „begegnen“).

Unterschied zwischen Demeter und Bio nach EU-Richtlinien

(pp).- Demeter-Richtlinien sind wesentlich strenger als die der EU. Folgende Regeln gelten zusätzlich für alle Demeter-Betriebe (nicht aber für Betriebe, die nach der EU-Ökoverordnung arbeiten):

- Nur der gesamte Betrieb darf auf „bio“ umgestellt werden.
- Jeder landwirtschaftliche Betrieb muss Tiere zur eigenen Düngererzeugung halten.
- Das Futter der Tiere muss zu 100 Prozent Bio-Futter sein; davon mindestens 80 Prozent der Futterration für die Wiederkäuer in Demeter-Qualität, und mindestens 50 Prozent des gesamten Tierfutters in Demeter-Qualität. Mindestens 50 Prozent des Futters muss auf eigenen Flächen erzeugt werden.
- Das schmerzhafte Enthornen der Kühe ist verboten.
- Stärkung der Bodenfruchtbarkeit durch Biologisch-Dynamische Präparate.
- Eigene Bio-Dynamische Saatgutzüchtung für Getreide und Gemüse. Bei Getreide sind nur Sorten zugelassen, die wieder aussamen können; Saat-Hybriden und Sorten aus Zellfusionstechnik sind verboten.
- Für die Verarbeitung sind nur wenige, absolut notwendige Zusatzstoffe erlaubt. Jodierung, Nitritpökelsalz und so genannte natürliche Aromen sind verboten. Zugelassen sind nur Aromaextrakte direkt aus der Frucht.
- Demeter-Produkte gibt es weder in Lebensmittelsupermärkten (außer solchen, die sich auf Bio spezialisiert haben) noch in Discountern.

Bobby Langer

(Copyright press-partners)

ZURÜCK

***************************************

GÄA

Deutsche Geschichte als Bioverband

(pp).- Im westdeutschen Selbstverständnis fehlt das Wissen darüber, dass auch in der DDR seit den 1980er Jahren eine Umweltbewegung existierte. So kam es, dass sich schon vor der Wende, im Mai 1989, unter dem Dach der kirchlichen Umweltbewegung ein ökologischer Anbauverband in Goppeln bei Dresden formierte: Gäa, benannt nach der altgriechischen Erdgöttin Gaia. Von damals bis heute mit von der Partie: Ingeborg und Michael Schwarzwälder vom Pfarrgut Teubenheim bei Meißen als Pioniere des Ökologischen Landbaus in Ostdeutschland. Inzwischen ist Gäa in Landesverbänden organisiert; der eindeutige Schwerpunkt liegt nach wie vor auf den neuen Bundesländern, doch gibt es inzwischen auch Landesverbände in Südtirol, Hessen und Bayern.

1995 wurde Gäa in den Dachverband AGÖL aufgenommen und damit Verbänden wie Bioland oder Demeter organisatorisch gleichgestellt. Naturgemäß arbeiten damit Erzeuger und Verarbeiter, die sich mit dem Gäa-Zeichen schmücken, nach strengeren Kriterien als sie in den EU-Bio-Verordnungen festgelegt sind. 2002 war Gäa Gründungsmitglied im neuen Branchenverband „Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft“ (BÖLW). 2003 erhielt Gäa als Öko-Zertifizierer die IFOAM-Akkreditierung und damit internationale Anerkennung. Derzeit gehören Gäa knapp 350 Betriebe an.

Eine Besonderheit bei Gäa sind spezielle Richtlinien für Tierhaltung, und zwar für Fisch- und Teichwirtschaft, Bienenhaltung, Kaninchen, Wachteln und Tauben sowie Gehegewild, aber auch für Pilzerzeugung, Erdbeeren, Wildfruchtsammlung und Zierpflanzen. Grundsätzlich gilt für Gäa-Anbauer und -verarbeiter: „Ziel der Arbeit ist die Erhaltung und Mehrung der Dauerfruchtbarkeit der Böden, Pflanzenarten und Tierrassen. Dies wird durch die Gestaltung des Betriebes als Organismus mit inneren Kreisläufen erreicht ... Energie- und Rohstoffsparsamkeit, Gewässer- und Bodenschutz, Luftreinhaltung, Landschaftspflege und Naturschutz sind in den Verfahren des ökologischen Landbaus von vornherein veranlagt. Nicht zuletzt wird durch die Erzeugung ernährungsphysiologisch vollwertiger Lebensmittel die Grundlage für eine zeitgemäße, langfristige Gesundheitsvorsorge geschaffen. Für die künftige Sozialentwicklung vermag der ökologische Landbau bedeutende Beiträge zur Gestaltung menschenwürdiger Arbeitsplätze und umweltgerechter Preisbildung zu leisten.“

Für verarbeitete Gäa-Produkte gilt: Die „Produkte zeichnen sich aus durch hohe geschmackliche Qualität, hohe Gesundheits-, Ökologie- und Kulturwerte“ und die „Richtlinien gewährleisten einen hohen ernährungsphysiologischen und ökologischen Qualitätsstandard des Endproduktes. Gleichzeitig wird eine hohe Sozialverträglichkeit der Handels- und Verarbeitungsschritte angestrebt. Mit größtmöglicher Transparenz sollen Verbraucher vor Irreführung und Täuschung geschützt werden.“

Vergleich Naturland – EU-Richtlinien

(pp).- Wie bei den anderen Bio-Anbau-Verbänden sind die Gäa-Richtlinien erheblich konsequenter als die EU-Richtlinien für Bio-Produkte. Folgende Regeln gelten zusätzlich für alle Gäa-Betriebe bzw. -Verarbeiter (nicht aber für Betriebe, die nur nach der EU-Ökoverordnung zertifiziert sind):

- keine Gülle und kein Geflügelmist aus konventionellen Betrieben
- nur Dünger aus reiner Hornsubstanz, Haar- und Federabfällen, kein Blut- und Knochenmehl
- Rinder, die aus nicht ökologisch wirtschaftenden Betrieben zugekauft wurden, dürfen auch nach der Umstellung nicht unter dem Gäa-Zeichen vermarktet werden
- keine Futtermittel aus Übersee
- 50% des Futters muss auf dem eigenen Betrieb erzeugt werden
- Für eine Öko-Kennzeichnung sind 100 % Öko-Zutaten aus der Landwirtschaft vorgeschrieben (EU-Verordnung: 95 %), auch Zusatzstoffe und Hilfsstoffe müssen Bio sein, wenn am Markt verfügbar
- So genannte „natürliche“ Aromen müssen mit der Ausnahme von Jogurt aus ökologischen Lebensmitteln gewonnen sein

Bobby Langer

August 2010

ZURÜCK

******************************************

NATURLAND

Naturland, zweitgrößter Bio-Verband Deutschlands, ist eine der bedeutendsten Organisationen des Ökologischen Landbaus weltweit

(pp).- Im Oktober 2002 gelang der Bio-Landbau-Organisation Naturland ein Überraschungscoup. Sie erhielt die Akkreditierung des United States Department of Agriculure (USDA). Mit anderen Worten: Ohne großen Aufwand können NaturlandBetriebe ihre Produkte in die USA exportieren - ein enormer Vorteil, denn neben Europa sind die USA einer der wichtigsten Absatzmärkte für Öko-Produkte.

Der internationale Erfolg - und das entsprechende Ansehen - ist kein Zufall. Naturland ist im Vergleich zu den anderen Anbauverbänden sozusagen der Internationalist. Naturland - Verband für ökologischen Landbau e.V. - wurde 1982 mit Sitz in Gräfelfing bei München gegründet. Inzwischen gehören der Bioorganisation Mitglieder aus Afrika, Indien sowie Mittel- und Südamerika an. Allein die biologisch arbeitenden Betriebe in Mexiko machen rund 30 Prozent der über 55.000 Bauern weltweit aus. Aber auch aus Uganda und Tansania genießen über 4.500 Kleinbauern den Nutzen der Mitgliedschaft. Insgesamt produzieren 44.000 Mitgliedsbauern in Afrika, Amerika oder Asien. Sie alle haben Repräsentanten in der Naturland Delegiertenversammlung, einer Art Ökoparlament, das über alle Belange des Verbandes bestimmt.

Mehr als alle anderen deutschen Bioverbände schaut Naturland über den Teller der typischen Landwirtschaft hinaus. Aus dem umfassenden Selbstverständnis des Verbandes folgten Entwicklungen hin zu einer ökologischen Aquakultur, zu ökologischer Waldnutzung und Öko-Textilien, zu Sozialrichtlinien und Fairen Partnerschaften. Nach eigener Darstellung bedeutet für Naturland „Öko-Landbau, Tradition mit der Moderne und Erfahrungen mit dem Mut zu Neuem zu verbinden“. Ergebnisse finden sich in jeder Kühltheke, denn Bio-Fische und Bio- Meeresfrüchte liegen im Trend, den es ohne Naturland nicht gäbe, weder Öko-Forellen aus Deutschland, noch Öko-Lachs aus Irland, Öko-Shrimps aus Thailand, Öko-Tilapia aus Honduras oder -Pangasius aus Vietnam.

Ein weiteres Novum im Bereich der Öko-Verbände war die Einführung von Sozial-Standards gegenüber den Mitarbeitern. Was in Deutschland vielleicht geringere Bedeutung hat (Naturland vergibt kein Bio-Zeichen für Discounter-Produkte!), wirkt sich in anderen Ländern massiv aus, so beispielsweise in dem Naturland-Öko-Textil-Projekt in Gujarat, wo an der Westküste Indiens von Kleinbauern angebaute Bio-Baumwolle im Land zu hochwertiger Bettwäsche und Handtüchern verarbeitet wird. Konventionelle Baumwolle gehört nämlich zu den pestizidintensivsten landwirtschaftlichen Produkten und hat aus Sicht von Naturland in Öko-Textilien nichts zu suchen. Auf sehr großes Interesse stößt die neue international geltende Naturland Fair Zertifizierung, da erstmals ein Anbieter für Süd- und Nord-Produkte eine Fair-Zertifizierung anbietet. Sie wurde in enger Zusammenarbeit mit Fair Handelshäusern wie der GEPA entwickelt.

Zum internationalen Engagement weit über den engen Bodenbezug hinaus gehört auch das Arbeiten von Naturland in Netzwerken wie der International Federation of Organic Agriculture Movements (IFOAM), dem Pesticide Action Network (PAN), dem Forest Stewardship Council (FSC) und zahlreichen Aktionsbündnissen gegen Agro-Gentechnik.

INFO-KASTEN
Die Essenz von Naturland - Verband für ökologischen Landbau e.V.

(pp).- Nach eigener Darstellung ist die Entwicklung von Naturland „entscheidend geprägt durch die Menschen, die die Naturland Ideen erarbeitet haben, diese durch ihre tägliche Arbeit umsetzen und weiterentwickeln. Eine besondere Rolle spielen hierbei:

- die ideologiefreie Weltanschauung

- die Orientierung an wissenschaftlichen Erkenntnissen

- das Bewusstsein, dass in der Entwicklung der gesellschaftlichen Akzeptanz der höheren Wertigkeit von Öko-Produkten der Schlüssel zur Ausweitung des Öko-Landbaus liegt

- die Herausforderung, einen konsequenten Öko-Landbau umzusetzen, dabei aber auch offen für gesellschaftliche Entwicklungen zu bleiben und den Blick für das Machbare nicht zu verlieren.

Als Grundwerte benennt Naturland folgenden Prinzipien einer nachhaltigen Wirtschaftsweise: ökologisch, zukunftsweisend und fair.

- Ökologisch: Naturland leistet einen Beitrag zum Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen, der Biodiversität, des Klimas und der tiergerechten Nutztierhaltung.

- Zukunftsweisend: Naturland leistet einen Beitrag zu einer positiven, zukunftsweisenden und existenzsichernden Entwicklung der Naturland Mitgliedsbetriebe sowie der von Naturland zertifizierten Unternehmen.

- Fair: Naturland fördert „Faire Partnerschaften“ mit regionaler Ausrichtung und sozialer Verantwortung. Dies gilt entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

(zitiert nach „Das Naturland Leitbild“)

INFO-KASTEN
Vergleich Naturland – EU-Richtlinien

(pp).- Wie bei den anderen Bio-Anbau-Verbänden sind die Naturland-Richtlinien erheblich konsequenter als die EU-Richtlinien für Bio-Produkte. Folgende Regeln gelten zusätzlich für alle Naturland-Betriebe bzw. -Verarbeiter (nicht aber für Betriebe, die nur nach der EU-Ökoverordnung zertifiziert sind):

- Keine Teilumstellung eines Bauernhofes auf Bioanbau mit allen Folgeproblemen (mangelnde Abgrenzung, Kontrolle, Glaubwürdigkeit, Vermischung mit Gentechnik usw.), sondern nur Gesamtbetriebsumstellung.

- Geregelte soziale Verantwortung gegenüber Beschäftigten auf Naturland Betrieben weltweit.

- Leguminosen wie Kleegras, Bohnen oder Erbsen sind der natürlichste Bodendünger und müssen deshalb einen gewissen Mindestanteil beim Ackerbau ausmachen.

- Betriebsmittel wie Wirtschaftsdünger oder Futter müssen, wo möglich, von gleichwertig zertifizierten Öko-Betrieben stammen.

- Gesamt-Düngermenge (aus eigener Tierhaltung und externen Düngern) ist begrenzt.

- Bei Naturland ist kein Dünger aus konventionellem Geflügelmist, konventioneller Gülle oder Jauche zugelassen, ebenso kein Fleisch-, Blut- und Knochenmehl.

- Tierbesatz pro Hektar ist bei Naturland deutlich niedriger als in den EU-Richtlinien, z.B. nur 280 Masthähnchen statt 580 Masthähnchen – ohne die Folgeprobleme bei zu hohem Tierbesatz (Grundwasser, Nitratanreicherung usw.).

- Der Auslauf für Legehennen ist rund ums Jahr vorgeschrieben, in den EU-Richtlinien muss dazu lediglich die Möglichkeit bestehen.

- Kuhtrainer sind bei Naturland verboten (Metallbügel, der die Kuh zum Zurücktreten zwingt, indem er ihr einen Stromschlag versetzt, wenn sie beim Harnen oder Koten artgemäß den Rücken krümmt).

- Detaillierte und international anerkannte Produktionsvorschriften für Aquakultur.

- Die Tierproduktion ist abhängig von der zur Verfügung stehenden Futterfläche. Mindestens 50 Prozent des Futters müssen vom eigenen Betrieb oder einem zugelassenen Betrieb in der Region stammen.

- Gemüseproduktion auf reiner Nährlösungsbasis ist bei Naturland unzulässig.

- Chemisch-synthetische Produktionsmittel und chemisch nachgebaute „pflanzliche“ Insektizide sind verboten.

- Alle organischen Ausgangsmaterialien, Bestandteile und Zuschlagsstoffe des Substrates für den Pilzanbau müssen aus Öko-Erzeugung stammen.

- Die Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe muss über alle Handelsstufen bis zum Erzeugerbetrieb sichergestellt sein.

- Strenge Regelung bei Naturland für die Lebensmittelverarbeitung, so ist beispielsweise die Sterilisation von Milchprodukten verboten, die Injektionssalzung von Fischerzeugnissen oder die Fruchtsaftherstellung aus Fruchtsaftkonzentraten.

- Strikter Ausschluss von genetisch veränderten Organismen (GVO) bzw. deren Derivaten.

- Detaillierte Verarbeitungsvorschriften Weinherstellung.

Bobby Langer

(Copyright press-partners)