Willkommen im Bobbyversum
- gurufreie Zone -

Hinweise für SeefahrerInnen

 

Vorausgesetzt, Du kennst eine Sehnsucht nach Freiheit oder nach Glück oder nach tiefer Stille oder Frieden, innerer Mitte oder der Verbindung mit dem Göttlichen - dann ist Meditation ein Weg, um mit diesen Qualitäten in Kontakt zu kommen. Wenn Dich der Aspekt des "Göttlichen" stört, dann vergiss ihn einfach; bei der Meditation kannst Du ruhig drauf verzichten. Im Zweifelsfall stellt er sich mit Deiner inneren Zustimmung von ganz alleine ein.

 

Meditation kann nicht erlernt werden. In meinen Augen ist sie ein Zustand, den man erreicht wie ein Seefahrer ein neues Land. Irgendwann künden die ersten Möven davon, dass da eine Küste ist, dann entdeckst Du einen Streifen am Horizont, der vielleicht doch nur Dunst ist, schließlich wird die Hoffnung zur Gewissheit. Aber dann schlägt der innere Wind um und treibt Dich in die Gegenrichtung. Aber spätestens jetzt weißt Du: alle Mühen durch Windstille, Stürme, Wogen, Auseinandersetzung, Verzagtheit, Hoffnungslosigkeit und Furcht haben sich gelohnt. Dein Mut, Deine Ausdauer und Dein Krafteinsatz haben Dich letztlich zum Ziel getragen. Da ist tatsächlich dieses neue Land und es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann Du anlegen wirst.

 

Schließlich landest Du und die erste Quelle, an der Du trinkst, scheint Dir kostbarer als alles, was Du zuvor getrunken hast, der erste Apfel paradiesisch, sogar wenn er sauer ist. Dich packt eine Lust, über Dinge zu lachen, ohne sie auszulachen, die Du am Tag zuvor noch schrecklich ernst genommen hast. Aber noch kennst Du erst einen winzigen Küstenstreifen. Das neue Land ist unendlich viel größer, weiter, vielfältiger (und manchmal auch gefährlicher), als Du es Dir ausmalen kannst: Deine neue Welt, und niemand kann sie Dir schenken als Du selbst, keine Lehre, kein Guru, kein Glaubenssystem.

Eine kleine sympathische Einführung - die One-Moment Meditation - findet sich im Internet - auf  Englisch. So einfach und bodenständig können das, glaube ich, nur Amerikaner ausdrücken.

 

Die folgenden Seiten dieses Büchleins sind nichts weiter als Hinweise eines Seefahrers für andere Seefahrer. Sie sind keine Vorschriften, keine Dogmen, kein Glaubenssystem. Aber ich würde sie nicht niederschreiben und weitergeben, wenn ich nicht hoffen könnte, sie würden Dich dem neuen Land näher bringen - Deinem neuen Land.

 

Unser Alltag pendelt zwischen den Polen Arbeit und Freizeit. Stress ist so normal geworden, dass er für viele an ein Lebensgefühl grenzt. Auch in der Freizeit häufen sich Verpflichtungen und Termine: Dieser Sporttermin muss noch wahrgenommen, jene Feier besucht, dieser Film gesehen und diese Zeitschrift gelesen werden. Trotz ausgeklügelter zeitsparender Maschinen und Methoden haben die meisten Menschen immer weniger Zeit. Kommunikationsmedien erzwingen eine ständige Präsenzpflicht. Findest Du doch einmal zur Ruhe, melden sich tausend Gedanken, Gefühle, Stimmungen, Ängste, Hoffnungen und Erinnerungen, so dass die Ruhe schnell vorbei ist. Schlafstörungen sind bei vielen an der Tagesordnung.

 

Meditation ist ein geistiges „Kunsthandwerk“, um mit dieser Situation angemessen und sanft umzugehen, der Selbstentfremdung entgegenzuwirken und die Intuition für die eigenen Bedürfnisse aufzuspüren und weiterzuentwickeln. Meditation entspricht daher den Bedürfnissen der Zeit, befreit von mentalen, psychischen und habituellen Zwängen und kann in vielen Fällen sogar einem Gang in die Psychotherapie vorbeugen. Meditation erlaubt uns, eine bewusste Haltung zur Welt, gegenüber Menschen und unserem eigenen Ego einzunehmen, statt ihnen ausgeliefert zu sein.

 

In der Meditation lernen wir zunehmend, uns aus diesem Mahlstrom auszuklinken; wir lernen, Gedanken, Stress, Nervosität, Unruhe und innere Ansprüche loszulassen. Innerer Frieden, Glücksempfindungen und spontane Begeisterung sind das Ergebnis, wenn Emotionen und Geist zur Ruhe kommen. Nervosität lässt nach, der Blutdruck sinkt, man regeneriert sich in Ruhephase besser und schläft tiefer. Auf dem Übungsweg zur meditativen Versenkung erreicht man diesen Grad seelisch-geistiger Balance oft schon nach kurzer Übungszeit. Dies wird für viele Menschen Grund genug für meditative Übungen sein. Für spirituell Interessierte sind sie Motivation und Ausgangspunkt für tiefere Expeditionen des Geistes. Denn wer fortschreitet, der macht sich auf den Weg zu seinem eigenen unverletzbaren, unteilbaren und zeitlosen Wesenskern.