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Den folgenden Text veröffentlichte Alexander Poraj, spiritueller Erbe von Willigis Jäger, in der Herbstausgabe 2011 der Zeitschrift „West-Östliche Weisheit Heute“. Er beschreibt darin das Herz der gegenstandslosen Meditation, ihren radikalen Ansatz, ihre große Herausforderung und ihren großen Gewinn: zu-frieden sein.

 

Um was geht es eigentlich bei unserer Übung? ... Es geht um „Erfahrung“. Um die Erfahrung schlechthin! Und um welche  Erfahrung geht es? Es geht einzig und alleine darum, die Erfahrung zumachen, die wir machen, wenn wir üben.

 

Und was üben wir? Wir üben, indem wir das Sitzen in Stille praktizieren. Das bedeutet nichts anderes, als dass wir die Erfahrung des Sitzens in der Stille machen können, während wir das Sitzen in der Stille praktizieren.

 

Ohr_des_Dionysos_by_Dieter_Schtz_pixelio.deMit anderen Worten : Wir sollten nicht Zazen oder Kontemplation so praktizieren, als wäre dies ein Mittel, um eine Erfahrung zu machen, die dann quasi außerhalb unserer Übung selbst läge. Nein, genauso nicht! Wir praktizieren nicht das Sitzen in Stille als Übungsweg, um etwas anderes zu erreichen, sondern wir „sind“ das Sitzen in der Stille. In der Praxis fallen Handlung uns Sein zusammen. Zazen und Kontemplation üben nicht. Sie sind.

 

Warum ist die Übung so problematisch , wenn sie, wie eben beschrieben, so einfach sein könnte, ja es letztlich auch ist? Die Hauptschwierigkeit liegt wohl darin, dass wir mit dem, was ist, selten zufrieden sind. Und wie es das Wort „zufrieden“ bereits selbst zum Ausdruck bringt: Wir sind mit dem, was ist, nicht zufrieden, weil wir in dem, was ist, nicht zum Frieden kommen. Das bedeutet letztendlich: Die Quelle unserer anhaltenden Unruhe ist die Ablehnung von dem, was ist, und nichts anderes.

 

Unser Geist erlangt dann seine natürliche Ruhe, wenn er aufhört, sich gegen die in ihm auftauchende Erfahrung zu wehren. Das bedeutet wiederum, dass ich während einer längeren Sitzperiode ganz das Sitzen bin, ja ganz die Langeweile, der  Atem, das Mu*, der Laut oder das Wort, ganz je nach persönlicher Übung. Wenn ich endlich aufhöre zu wählen, zu erwarten, zu hoffen, dass sich ein andere Erfahrung einstellt als die, welche gerade da ist, dann bin ich im gleichen Augenblick ganz da, und das heißt ja, ganz eins mit dem, was da ist. Ich bin zufrieden.

 

Meditation_by_Gerd_Altmann_pixelio.deDas ist das geheime Tor zu jeder weiteren Erfahrung. Dieses Tor muss von uns durchschritten werden. Atemzug um Atemzug. Jede – absolut jede Erfahrung setzt unsere Anwesenheit voraus. Und je mehr wir da sind, desto mehr und intensiver wird die Erfahrung immer schon und immer nur von dem, was ist, und so, wie es wirklich ist.

 

Die Dinge sind gut , nicht weil sie unseren Erwartungen entsprechen, sondern weil sie sind. Sie laden uns ein, mit ihnen zufrieden zu sein, indem wir in ihnen zum Frieden kommen. Dieses ist unsere alltägliche Übung, nicht nur die auf dem Kissen. Sie bezieht den ganzen alltäglichen Wahnsinn mit ein, weil er ist, so wie er ist, und weil er so, wie er ist, gut ist, sonst wäre er nicht da.

* Mu beschreibt in der chinesischen Philosophie den Zustand der Leere des Geistes, ist aber auch eine berühmte Antwort auf Koans.

Foto: Ohr des Dionysos_by_Dieter Schütz_pixelio.de
Foto blau abstrakt:
by_Gerd Altmann_pixelio.de