Willkommen im Bobbyversum
- gurufreie Zone -

Ein reifer Mensch

Ein reifer Mensch ist bei sich. Er ist angekommen: in seinem Körper, in seinem Geist, in seinen Emotionen. Er fühlt so wie er denkt; und er handelt danach. Er ist gleichzeitig autonom und in den Kontext seiner Umgebung eingebettet. Er bildet sich eine eigene Meinung und stellt sie im Wert nicht über die Meinungen anderer. Er ist tolerant, aber nicht gleichgültig, mitfühlend, aber nicht „gefühlsduselig“.

Er hat seinen Platz gefunden, seine Mission: Er öffnet sich dem Unbekannten, damit es möglichst reibungsfrei durch ihn hindurch das tue, was es will („dein Wille geschehe“). Er hat erkannt, dass sich die Welt auch ohne ihn weiterdreht, ist sich seiner Vergänglichkeit bewusst und dennoch – oder gerade deswegen – wird er alles tun, damit sein Handeln zum Bestmöglichen für alles und alle im Universum wirkt.

Er begeistert und inspiriert die, die ihn verstehen, auch wenn das bisweilen bedeutet, dass er Leute vor den Kopf stößt, die nicht seine Werte teilen. Er korrumpiert sich nicht für Geld und versteht Macht als Verantwortung; er nutzt seine Lebensumstände nicht als Vorwand, um des Mammons wegen Kompromisse einzugehen, die ihm innerlich widerstreben. Das Unmögliche versuchen setzt er seine Messlatte bewusst hoch und kalkuliert mit einem Scheitern, das er als notwendig akzeptiert.

Er ist ein Kind seiner Zeit, genießt das Leben, aber lässt sich nicht einengen von dem so genannten Status Quo, sondern träumt von einer besseren, einer schöneren Welt. Diese Träume lassen ihn über sich selbst hinauswachsen, wenn er zweifelt; wieder aufstehen, wenn er gefallen ist, und handeln, auch wenn es ihm bisweilen erscheint, als kämpfe er gegen Windmühlen: die Windmühlen des Hasses, der Zwietracht, des Neids, der Wollust und viele mehr.

Und er weiß: alle Flügel der Windmühlen, gegen die er kämpft im Äußeren, trägt er selbst im Inneren. Er hat verstanden: innen und außen, individuell und kollektiv, beeinflussen sich überkomplex und wechselseitig. Er hat verstanden: „Das was du dem geringsten meiner Brüder getan hast, das hast du mir getan.“

Er versucht, ganz Mensch zu sein, ist sich seiner Anteile bewusst und weiß: perfekt sein heißt tot sein. Der Weg ist das Ziel.

Alistair und Bobby Langer