4. Februar
So langsam könnte ich es hier aushalten. Dabei geht’s in fünf Tagen schon wieder nach Hause. Tatsächlich ist es ein seltsames Gefühlsgemenge: Einerseits freue ich mich auf zu Hause, andererseits keimt Wehmut auf beim Gedanken, hier wegzugehen.
Meine letzten Tagebuch-Einträge sind ’ne Ewigkeit her; unmöglich, das alles nachzuholen (und will ich auch keinem Leser zumuten). Ich werde also zusammenfassen. Grade habe ich einen Luxusgenuss hinter mir: Ich habe ein heißes Vollbad genommen (kann man bei 16 bis 18 Grad Zimmertemperatur auch gut vertragen). Dass man hier auch baden kann, ist eine Besonderheit in dem Haus, in dem ich jetzt wohne: in St. Antonio aguas calientes (St. Anton der heißen Wässer). St. Antonio ist quasi der Popstar unter den spanischen Heiligen. Tatsächlich existierte der Ort schon lange vor dem Einzug der Spanier vor rund 600 Jahren als zentrales Siedlungsgebiet der Kaqchikel, einer der großen Maya-Ethnien des guatemaltekischen Hochlands.
Womit sich die Frage ergibt: Warum bin ich umgezogen und habe rund zusätzliche 500 Euro investiert (vom 23.1.-9.2.)? Tatsächlich hat alle Medizin den Einfluss der beiden Katzen in Lucias und Alistairs nicht ausgleichen können. Ich hab zwischendurch immer mal gedacht: Heute ist es wirklich besser“, aber beim Hinlegen war dann schnell klar: Ist es nicht, im Gegenteil. Also haben wir nach einem AirB&B in der Nähe Antiguas gesucht und dieses wunderbare Haus gefunden: La Casa de Gracias, das Haus, das sich Eve Chayes Lyman, 74, eine amerikanischen Künstlerin hier vor acht Jahren gebaut hat. Ihre Homepage ist für alle, die sich für Malerei interessieren, sehenswert: https://www.evelyman.com/home. Natürlich hätte es auch viel Billigeres gegeben, aber im Vergleich zur Schönheit des Ortes und der Tatsache, dass hier alles, inkl. der Seife, bio ist, ist es wieder sehr preiswert. Eve, bzw. ihr Gärtner und sein Helfer, baut hier in zwei großen Gemüsegärten Biogemüse (und Biokaffe) san, das sie zusammen mit einem anderen Biobauern als Gemüsekisten vermarktet. Es gibt nur noch ein zweites Zimmer hier, eine schöne, große Küche, gegenüberliegend im selben Raum ein geräumiges Wohnzimmer voller Kunstwerke und Büchern, in denen man Jahe stöbern könnte. Organisiert und geführt wird der Haushalt von einer 44-jährigen Indigenen, Mimi, die hier alles macht, außer zu kochen (und natürlich kein Wort Englisch spricht; aber wenn ich sie bitte: Despacio, por favor [langsam, bitte], dann verstehe ich doch einiges, was sie mir sagen will). Sie hat mir auch schon drei wunderbare Fußmassagen verabreicht (70 Quetzales = ca. 8 Euro). Eve und ich haben uns innerhalb von ein paar Tagen so gut verstanden, dass wir gegenseitig den Verdacht geäußert haben, dass mein Hiersein kein Zufall sein kann. Leider ist sie vor drei Tagen zu ihrer Tochter geflogen, um dort drei Wochen in der Familie zu helfen. Wir werden uns also nicht mehr sehen. Aber per WhatsApp sind (und bleiben) wir hoffentlich verbunden.
Was ich noch zu erwähnen vergessen habe: Es gibt hier zwar keine Katze, dafür aber fünf Hunde, einen Herrn der Schöpfung und vier selbstbewusste Fräuleins. Wenn ich wollte, könnte ich also den ganzen Tag mit Kraulen verbringen.
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23.-25. Januar war Vater-Sohn-Wochenende, das ich jetzt nur stark zusammenfassend beschreiben kann.
23.1.: Wir brechen relativ früh auf und fahren gegen 7.40 Uhr zu Nana (die auch die Hochzeitszeremonie durchgeführt hat) nach Santa Cruz Balanya. Sie zeigt mir/uns ihren großen Selbstversorger-Garten (sie hat das Grundstück vor acht Jahren geschenkt bekommen) und ich kann ihr sogar noch ein paar Tipps geben. Dann gehen erst einmal in ihren Zeremonialraum, der als kleines Gebäude relativ groß ist mit schöner, intensiver Atmosphäre und einem festlich geschmückten Feuerkreis in der Mitte. Hier bestimmt sie nochmals genau meine Geburtsdaten und erzählt mir dann anhand des Maya-Kalenders allerlei Eindrucksvolles zu mir und meinem Leben. Alistair übersetzt die ganze Zeit. Anschließend fahren wir zum eigentlichen Zeremonialort Iximché [sprich: Ischimtsché], wo wir das ganze Gelände durchqueren bis zu den zentralen Opfersteinen, eine von 1000 Zeremonien schwarz gefärbte Steinkaskade. Dort bereitet Nana mit großer Sorgfalt den Feuerkreis, an dem sie sie Kraft der Nahuales auf mich herabruft. Übernachtet haben wir dann im Chichoy [Tschitschoi], wo wir gegessen haben und noch ne Weile im Restaurant, das nur von Indigenen geführt wird, zusammengesessen sind.
24.1.: Nach nem Morgentee machen wir uns auf den Weg nach Chichicastenango (die meisten nennen es einfach Chichi), den zentralen Mayaort in den Bergen auf 1965 m und ca. 100.000 Einwohnern (es existieren verschiedene Zahlen), die allermeisten davon gehören zu den K’iche’-Maya. Da ich nicht nur auf dem großen Highway fahren wollte, hatte ich Alistair gebeten, nach einer Alternativroute zu schauen. Aha, es gibt eine durch die Berge, aber Lucia rät uns dringend davon ab. Was da alles passieren könnte, Bergrutsche, Überfälle … möglicherweise unbefahrbar … Aber schließlich einigen wir uns, die Strecke zu probieren (ca. 20 km) und umzukehren, wenn’s wirklich gefährlich werden sollte. Alistairs Subaru ist ein halber Jeep, so dass wir die ungeteerte Strecke durch eine eindrucksvolle Berglandschaft ohne alle Probleme nach ca. eineinhalb Stunden geschafft haben.
In Chichi checken wir erstmal im Maya-Inn ein, einem tolle Hotel direkt im Zentrum, 100 Meter vom Zentralmarkt, und genehmigen uns ein Tipico-Frühstück in der Sonne auf einem Balkon direkt über dem sich vorbereitenden Markt. Anschließend treffen wir uns mit den Gemelos [Chemelos] (Zwillingen), dort bekannten Ajq’ij [sprich: Achkich], Hüter der Tage, bei uns Schamanen. Sie sehen ganz normal aus, höchstens ein bisschen ausgeflippt und sehr unschuldig wirkend. Sie sind ca. 45 Jahre alt, beide Maler.
Sie besprechen mit uns erst einmal die Bedeutung des Popul Vuh und zeigen uns den Originalfundort in der Nähe des Sonnentempels, der von den Spaniern zerstört wurde und auf dessen Ruinen um 1540 die Iglesia de Santo Tomás errichtet wurde (und wo sich bis heute Maya-Traditionen mit katholischen Traditionen mischen)s. Exakt gegenüber, vielleicht in 100 Metern Entfernung liegt die Capilla del Calvario (Kalvarienkapelle), ein Stück kleiner und auf dem ehemaligen Mondheiligtum der Mayas errichtet.
Anschließend gingen wir zu ihnen nach Hause, haben dort was getrunken und verzogen uns zur Siesta in ein hübsches, von ihnen empfohlenes Restaurant zum Mittagessen. Um zwei Uhr haben uns von ihnen aus auf den Weg gemacht zum traditionellen Opferplatz ihrer Familie in einem Wäldchen auf einem Hügel mit Blick auf die Stadt. Hier haben sich die beiden die Arbeit geteilt, der eine Bruder, der sehr viel mehr sprach, erklärte mir wieder meine Lebensposition (Alistair übersetzt), während der andere das Zeremonialfeuer vorbereitet. Sowohl das Vorgespräch wie auch die Ansagen während der Feuer-Zeremonie sind so komplex und oft so lang, dass Alistair große Mühe mit dem Übersetzen hat. Trotzdem hat’s mir was gegeben. Am Abend saß wir zu zweit noch eine Weile vor dem offenen Kamin, den uns ein Angestellter in Gang gesetzt hat. Beim Einschlafen letzte Blicke auf die glimmende Glut. Schon ziemlich herrlich.
25.1.: Während sich Alistair „fertig“ macht, gehe ich uns gegen sieben Uhr auf dem Markt irgendwo Tee besorgen. Spannend, überall Gewusel, überall werden Stände aufgebaut oder eingerichtet. Nach 20 Minuten hab ich immer noch nichts gefunden. Kurz nach dem Maya-Inn war ein Stand am Rand des Marktes, mit dessen Inhaberin „Ruby“ ich zu Beginn meiner Suche geplaudert hatte (sie sprach erstaunlich gut Englisch). Zurückzu fragt sie mich, ob ich erfolgreich war. Nein. Für fünf Quetzales kann sie mir zeigen, wo es Tee gibt. Na wunderbar. Sie führt mich in die Katakomben des Marktes und da ist tatsächlich ein Stand, wo eine Frau mit ihrem Sohn in Riesenkesseln Tee kocht. 10 Minuten später komm ich mit zwei Plastikbechern mit zwei verschiedenen Tees (jeder 5 Q) zurück, aber der Tee ist Ali zu süß. Also trink ich alleine meine Tasse und seine wandert in den Guss.
Anschließend werfen wir uns ins Getümmel. Dieser Markt, der jeden Donnerstag und Sonntag stattfindet, ist der größte in Mittelamerika mit jeweils mindestens 150.000 Besuchern, überwiegend Indigene. Interessant, wir entdeckten eine Menge schöne Sachen (es gibt natürlich auch viel Mist) und ich erstehe für mich eine schöne, traditionelle Hose, die mir zu lang ist, aber Alistair will sie kürzen lassen. Gegen 10 Uhr gehen wir zurück zum Maya Inn, checken aus und gehen ins gestrige Restaurant zum Frühstücken. Vorher besorgt sich Alistair noch Bargeld, um die Gemelos zu bezahlen. Einer der beiden kommt ins Restaurant zum Kassieren.
Auf dem Heimweg, den wir gegen 12 Uhr antreten, halten wir uns diesmal auf dem Highway, so dass wir nach ca. 2,5 Stunden wieder daheim sind. In der Zwischenzeit hat Alistair herausgefunden, dass ich schon heute in meiner neuen Unterkunft einchecken kann. Also packe ich meinen Sieben Sachen (fühlt sich auch komisch an, weil doch sein Haus mir inzwischen Heimat geworden war) und dann fahren wir zur Casa de Gracias, wo ich mir von Eve die Küche erklären lasse und mich dann häuslich einrichte. Mach noch ein paar Notizen, bin aber supermüde und kippe schon gegen halb neun in die Federn.
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In der Casa habe ich einige gute Momente, in denen ich gut zur Romanarbeit komme, insgesamt aber weniger als bei Alistair und Lucia; wahrscheinlich, weil ich mich hier um alles kümmern muss.
Am 27.1., am späten Vormittag, gehe ich zu Bayit Panadería – Café (1,1 km). Da gibt’s tatsächlich ganz ordentliches Brot, außerdem ein nettes, ziemlich großes Restaurant, wo ich mir ein Desayuno Sano bestelle, ein Gesundheitsfrühstück (mit viel Obst, einem Omelett mit Spinat und Pilzen sowie einer Art Maisporridge, leicht gesüßt, aber sehr lecker). Dazu wiederhole ich ne große Portion Vokabeln. Nachmittags lerne ich Chio kennen, einen einheimischen Ingenieur, der gut Englisch spricht und hier zum Saunieren hergekommen war (ja, sogar ein Saunahäuschen gibt’s zwischen Haus und Biogarten). Er fragt mich, ob ich Lust habe, am Samstag eine mit ihm einer kleinen Gruppe eine Vulkantour zum Pacaya mitzumachen: https://de.wikipedia.org/wiki/Pacaya.
Seit ich hier in der Casa de Gracias bin, lese ich ein Buch, das ich auf Lucias Schreibtisch gefunden habe: „the untethered sould – the journey beyond yourself“ von Michael A. Singer. An sich habe ich vor ca. fünf Jahren aufgehört, Bücher spirituellen Inhalts zu lesen, aber das ist wirklich ein Fundstück, sehr klar und eingängig geschrieben und ohne alles esoterische Geschwafel. Kann ich jedem, der sich irgendwie irgendwo „auf dem Weg“ befindet, sehr empfehlen. Die deutsche Version: Lebe unbeschwert. Wie wir die Welt akzeptieren, ohne uns von ihr abhängig zu machen, ISBN 978-3-7934-2454-3. Details hier: https://neuer-weg.buchkatalog.de/lebe-unbeschwert-9783793424543.
Am 29.1. mach ich ne Wanderung zum Berg hinter unserem Haus. Der Anstieg die ersten vielleicht 100 Meter ist sehr steil und schwierig zu gehen wegen des sandigen, steinigen Wegs. Gut, dass ich die Wanderschuhe angezogen habe. Am liebsten hätte ich ja den Gipfel erklommen, es geht auf einem Pfad auch ca. zwei Kilometer erst flach und dann wieder steil bergan, aber dann verließen sie ihn: Dickicht. Ich entdecke zwar eine Art Schneise, auf der ich mich auf wieder steilem, staubtrockenem Sandboden, nach oben kämpfe, muss mich aber immer wieder an Pflanzen festhalten und auf allen Vieren krabbeln. Kein Spaß mehr. Ich schaffe in der Minute ein bis zwei Meter, ohne zu wissen, ob nicht nach fünfzig Metern ganz Schluss ist. Dann siegt doch die Vernunft. Ich dreh um und mach mich auf den Heimweg, halb rutschend auf dem Sand, halb gehend.
Kurz vor zuhause ist ne Tienda, wo ich mir ein Eis genehmige. In meinem Zimmer dusche ich erst mal (war völlig eingestaubt), bürste dann meine Hose aus und putze meine Sandalen mit einem Ledermittel von Eve.
Abends bin ich zu Mimis 44. Geburtstag eingeladen. Das ist ne nette und manchmal auch lustige Gesellschaft. Neben Eve und Mimi sind anwesend: Mimis Helferin, ihre zwei Töchter 24 und 16 und der Partner der älteren Tochter. Eva hat Mimis Lieblingsgericht gekocht: Ein gebackenes Hühnchen aus dem Ofen und dazu Ofengemüse. Sehr lecker. Ich versteh zwar nur einen Bruchteil der Gespräche (zum Glück übersetzt mir Eve immer wieder), aber irgendwie gelingt es der Runde immer wieder, mich miteinzubeziehen, so dass sich das Ganze nach rund vier Stunden in bester Stimmung auflöst. Zwischendurch waren meine Spanischversuche immer wieder ein guter Grund zur allgemeinen Erheiterung.
Am 30.1. Abschied von Eve. Wir essen zusammen einen Kürbis, den sie gekocht hat. Ich schneide mir drei dicke Scheiben davon ab, die ich mit Butter bestreiche und salze. Dazu gibt’s einen jungen Käse, den ich vorgestern von einem Käser gekauft habe, der auf seinem Motorrad Käse in einem Kühlkanister ausfährt.
Am 31.1. also der Ausflug zum Vulkan Pacaya. Ich bin mit Chio um 7 Uhr verabredet und Eve hat mir einen Fahrer um halb sieben bestellt. Die Fahrt dauert 15-20 Minuten, also genug „Luft“. Ja, denkste, der Fahrer kommt nicht und ist auch telefonisch nicht zu erreichen. Also laufe ich acht nach halb mit meinem Tagerucksack zur Ortsstraße runter, wo irgendwo alle 15 Minuten ein Bus abfahren soll. Ich geh in Richtung Ortsmittel,als ein sog. Chickenbus angerumpelt kommt. Wie so ein Gefährt aussieht, kann man sich hier ansehen: https://greenglobaltravel.com/chicken-bus-guatemala-unusual-transport. Also winke ich in der Hoffnung, dass er stehen bleibt. Tut er auch. Nachdem ich mich gesetzt habe (er ist ca. zu einem Fünftel besetzt), kommt ein Helfer des Fahrers, der Geld von mir will. Zum Glück hat mir Eve gesagt, dass die Fahrt vermutlich 5 Quetzales kostet, die ich in der Hosentasche schon bereithalte. Dieses Bussystem ist sehr einfach: Jeder, der einsteigt, zahlt die 5 Q, egal von wo. Haltestellen gibt es nicht, man winkt und dann bremst der Fahrer (je nachdem) meist nur so weit ab, dass man ungefährdet an Bord springen kann, und schon geht’s weiter. Die Chickenbusfahrer sind für ihre ruppige Fahrweise bekannt. Soald man hier Mittelklasse ist, fährt man nicht mehr Bus, sondern Auto. Gegen zehn nach sieben bin ich in Antigua und dann dauert’s nochmals fünf Minuten, bis wir uns gefunden haben.
Die ca. 80-minütige Fahrt zum Pacaya absolviere ich auf der Ladefläche eines Pickups, auf der zwei einander gegenüberstehende Sitzbänke montiert sind. In der Fahrerkabine fahren noch zwei junge Frauen und ein 8-jähriger Junge mit. Die mit dem Rücken zur Fahrerkabine gewandte Sitzbank auf der Ladefläche ist komfortabler und mit einer Plane überdacht, die gegenüber liegende (mit dem Rücken zur Ladeklappe) ist frei. Auf einem der komfortableren Sitze sitzt Chios „Cousin“, ich setze mich neben ihn dann geht’s los. Schon bald merke ich, dass die Auspuffgase zur Ladefläche hochziehen. Not so good. Fühlt sich an, als würde man direkt am Auspuff einatmen. Dem „Cousin“ macht das nichts aus, mir schon. Mir wird allmählich schwindelig und übel. Damit ich mich nicht übergeben muss, steh ich auf, klammere mich an dem Eisengestell fest, an dem die Plane befestigt ist, halte meinen Kopf in den Fahrtwind und atme möglichst tief durch. Hier sind die Abgase nur noch sehr verdünnt spürbar. Irgendwann bin ich ausreichend „durchgeblasen“ und setze mich wieder für ein Weilchen, bis ich wieder aufstehe usw.
[So, jetzt bin ich zu müde zum Weiterschreiben, morgen wieder.]
5. Februar
Meine normale Tagesarbeit erledigt, mich mit Eves Tochter unterhalten, die wieder aus den USA zurück ist; danach großes Frühstück /Brunch und eine gemütliche Siesta im Halbschatten. Und jetzt will ich meine Einträge vervollständigen. Wo waren wir stehen geblieben?
Ah, die Pacaya-Tour am 30.1.: Ich hab’s also geschafft, mich nicht zu übergeben. Aus der Entfernung sah der Pacaya wirklich beeindruckend aus, so dass ich mich gefragt habe, wie wir da so weit hochfahren können, dass es nur noch eineinhalb Fußstunden bis oben sind. Die Antwort war einfach: Wir fuhren bis zum üblichen Besucherparkplatz (es war eine Menge los); dort bekamen wir unsere Tickets für den Nationalpark (100 Q) und einen Führer (un guia) zugewiesen (150 Q, die wir uns am Schluss teilten, für mich also dann 25 Q. Vom Parkplatz aus gingen wir auf einem anfangs einfachen, später mäßig steilen Weg rund 700 m Höhenunterschied bis zum „Alten Krater“. Gut machbar für nen alten Mann. „Alter Krater“ bedeutet: der Krater des letzten Großausbruchs 1961, nachdem der Berg hundert Jahre geruht hatte. Seitdem gab es mehrere Ausbrüche und eine mehr oder weniger kontinuierliche leichte Aktivität. Der 1961er Lavastrom muss eindrucksvoll und sehr zerstörerisch gewesen sein, bestimmt 100 Meter breit. Unser Weg führte an der erkalteten Lava vorüber. Wir konnten sehen, wie sie unten am Hang links abbog. Unser Führer erzählte uns, das Dorf, das er getroffen hätte, wollte sich nicht evakuieren lassen; es sei sehr katholisch und habe stattdessen aufs Beten gesetzt – was funktioniert hat. Oben am Alten Krater, dessen Ränder teils noch gut sichtbar und schon von Buschwerk bewachsen waren, gab es grob mit Lavagestein eingefasste Vertiefungen, an deren Grund es noch heiß genug war, um Marshmallows zu grillen. Auch unser Führer hatte ein paar Marshmallows dabei. Allerdings hab ich’s wie Chio gemacht und sie lieber ungegrillt gegessen. Von hier, vom Alten Krater aus, hatten wir einen großartigen Blick auf den jetzigen Pacaya, der sich noch ca. 500 Meter hoch aufkegelte.
Unterwegs wurden wir in beiden Richtungen von Pferden überholt, auf denen Gringos saßen, die sich den Weg nicht zutrauten. Nach unten kamen uns auch einige Wanderer entgegengekeucht, die verzagt fragten: Wie lange noch, how much longer? Cuánto tiempo más? Da war ich dann doch ein bisschen stolz, dass ich’s ohne Erschöpfung geschafft hatte.
30. Januar
Abschied von Eve. An sich war ich nur in die Küche gekommen, um mir nen Tee zu machen. Aber da saß Eve und meinte, sie habe den Eindruck, ich esse wenig. Hm, ja, geht so. An Gewicht habe ich noch nicht verloren. Jedenfalls meint sie, sie habe ein großes Stück Pumpkin gekocht und könne gerne was davon abhaben. Eine Abschiedssitution; morgen früh um drei Uhr würde sie aufbrechen zur Familie ihrer Tochter. Also schneide ich mir drei dicke Scheiben ab, die ich auf ihr Geheiß mit Butter bestreiche und salze. Dazu gibt’s einen jungen Käse, den ich vorgestern von einem Käser gekauft habe, der auf seinem Motorrad Käse ausfährt. Hat prima geschmeckt, war leicht, und wir hatten schöne letzte, gemeinsame Minuten.
2. Februar
Normale Leute finden kaum ihren Weg nach Guatemala. Heute hat ein Pärchen das Zimmer bezogen, offiziell Kanadier. Er ist das auch, sieht wie der deutsche Hans aus und hat tatsächlich deutsche Vorfahren. Sie ist Iranerin, aber: Ihre Vorfahren waren Nomaden, (manche sind’s heute noch); sie ging mit ihren Eltern nah Kuwait, ist dort aufgewachsen, internationale Schule etc. drei verschiedene Studienabschlüssen hinter sich gebracht, festgestellt, dass es das nicht sein kann, hat auch mal als Hebamme gearbeitet, und lebt jetzt mit ihrem Partner in New Mexico. Sie meinte, bis sie 17 war, hielt sie ihre Familie für eine normale Familie. Aber nee. Ihr Vater war sehr einfach, aber auch sehr spirituell, kein islamischer Fundamentalist, eher im Gegenteil. Warum betest du fünfmal am Tag, hat sie ihn gefragt. Das ist meine Sache, du musst für herausfinden, was die deine ist. „Meine Mutter war ganz wild, sie hat geraucht, Alkohol getrunken und mit anderen Männeren geschlafen.“ – „Und dein Vater?“ – „Der wusste das und meinte, das sei ihre Sache.“ Ganz normal eben, diese Iraner …
6. Februar
Morgen ist Samstag. Am Montag fliege ich. Den morgigen Tag werde ich mit Alistair in Guatemala City verbringen und das Textilkunst- und das große, neue Archäologische Museum besuchen mit einer Riesenmayasammlung (mein Uber geht um 6.45 Uhr nach Antigua). Am frühen Abend dann noch Essen mit Lucias Mutter, anschließend zurück nach Antigua. Sonntag gemütlich und am Montag geht’s zum Flughafen.
Leichte Verwirrung, auf meinen Flugticketausdruck steht: Abflug 01:28 pm, ich habe mir in meinem Kalender 06:28 am notiert. Geh auf meine Ticketseite, aber das steht noch gar nichts, ist zu früh. Dafür kann ich schon mal meinen Pass etc. checken lassen.
na, lieber Bobby, viel Aufregung, viel Freude und sehr liebevolle Beziehungen, was will man mehr?? dann noch 2 gute Tage, sichere Rückkehr und alles was du dir wünchst. Freue mich
auf einen persönlichen Austausch. herzlichst de Gerhard