12. Januar
Ich gehe zum Hotel Museo Casa Santo Domingo, das mir Lucia dringend ans Herz gelegt hat (wenn du schon in Antigua bist und Zeit hast, dann solltest du das unbedingt sehen, es gibt dort eine wunderbare Privatsammlung antiker Maya-Kunstwerke). Also bin ich brav, hab auch Lust dazu und bin dann ziemlich lange dort. Es gibt da nicht nur Antikes aus der Maya-Zeit, sondern auch ein Silbermuseum mit Prachtstücken der Kolonialisten, die deshalb einen besonderen Wert haben, weil sie von einheimischen Handwerkern nach Vorgaben der neuen Herrenmenschen angefertigt wurden. Ansonsten ist’s aber kaum anders als man’s in Europa erwarten würde, weshalb sich meine Fotolust auch sehr in Grenzen gehalten hat.
Danach bringt mich eine Kombination aus Appetit (Hunger?), Leichtsinn und Vergnügen in das Restaurant Los 3 Reyes (Die hl. 3 Könige), wo ich mich mit der inoffiziellen Inhaberin ziemlich lange gut unterhalte (auf Englisch :-() und ein Riesensandwich mit Pommes futterte, ein kleines Bier dazu und eine Rosa-de-Jamaica-Limonade (Alistairs Lieblingsgetränk).
Die meisten dieser alten Maya-Werke hatten eine kultische Funktion, manche dienten aber auch praktischen Zwecken. Nahezu alle stammen aus der Zeit 300-700 p.Chr., sind also ungefähr 1.500 Jahre alt.
1. Bild: ein Ballspieler (ich hatte das heilige Ballspiel der Maya vorher beschrieben). Hier stand noch dabei, dass es (manchmal) auch Spiele auf Leben und Tod gab, d.h., die Siegermannschaft durfte die Verlierer enthaupten.
2. Bild: Relief-Arbeit von zwei Personen, wobei eine auf die andere herunterschaut. Von der ersteren sind nur die Fußsohlen zu sehen.
3. Bild: Krieger mit vogelartigem Helm (Räuchergefäß)
4. Bild: Olmekisches Krokodil (die Olmeken lebten zwischen ca. 1200 und 400 v.Chr. entlang dem Golf von Mexiko. Vermutlich haben sie die Mayakunst beeinflusst)
5+6.+7. Bild: Räuchergefäße. 6. wird als „Theater-Räuchergefäß“ bezeichnet. Die Figur wird (lt. Beschreibung) „gekrönt“ von Schmetterlingen, Blumen, Vögeln etc., aber ich konnte partout keine Schmetterlinge sehen. Hm.
8. Bild: Sammelurne, die die Vergänglichkeit des Menschen darstellt
9. + 11. Räuchergefäße
10. Einzelurne mit Deckel. Am Grund der Urne befindet sich ein Gott mit einem Loch im Nabel. Das war die Stelle, an der die Seele nach Maya-Vorstellung entwich.
11. Zeremonialaxt (wenn man genau hinschaut, sieht man, dass die Hinterkopfseite relativ breit ist, und der Stein zur Nase hin immer schmaler wird)
12. Drei weitere Zeremonialäxte
13.+14.+15. Drei kleine Figurinen, ca. 10 Zentimeter groß, letztere stellt einen Affen dar. Affen galten gemäß dem heiligen Buch Popol Vuh als Abwandlungen des Menschen. Und das kam so: Als die Menschen sich mal wieder daneben benahmen, schütteten die Götter geschmolzenes Harz über sie. Einige entkamen und flohen auf die Bäume und wurden in Affen verwandelt.
16. Januar
Die Geräusche um mich würden mir vermutlich Angst einjagen, wenn ich nicht wüsste, dass es sich um das Geröhre der Brüllaffen handeln würde, die lautesten Tiere der Erde. Und die Grillen zehn Meter vor mir im Gebüsch sind so laut, als käme ihr Zirpen aus einem Lautsprecher.
Heute Morgen, nach meiner Pflichtarbeit, hat mich um halb neun ein Uber abgeholt, um mich zum Flughafen zu bringen. Wir kamen ganz gut durch, sodass wir kurz nach zehn Uhr am Flughafen waren (für ca. 40 km). Da mein Fahrer, ca. 50 Jahre alt, ein sehr angenehmer Mensch war und langsam und klar gesprochen hat (selbst keinerlei Englisch konnte), gelang uns tatsächlich die ganze Zeit über ein kleines Gespräch. Ungefähr 80 Prozent seiner Sätze hab ich kapiert und umgekehrt war’s ähnlich, denn bei meinen vielen Fehlern musste er sich oft einen Reim auf das machen, was ich sagen wollte. Das war manchmal lustig, aber immer nett. Und jetzt bin ich ein bisschen stolz, was ich schon alles – bei aller Stotterei – ausdrücken kann.
Am Flughafen war dann auch alles ganz entspannt, die Signora beim Gepäck-Sicherheitscheck habe ich mir mit einem irischen Pärchen geteilt. Punkt 12.10 Uhr ist unsere kleine Maschine (80-100 Sitze geschätzt) losgerollt und kam ziemlich genau fünf nach eins an. Auf den Shuttlebus musste ich bis 2 Uhr warten. Unterwegs, kurz vor meinem Hotel, der Djungle Lodge, hatte er noch eine Reifenpanne. Glücklicherweise hat der Fahrer das Reifenproblem rechtzeitig bemerkt und fuhr rechts ran. Innerhalb von 20 Minuten war der Reifen gewechselt. Ca. 10 km vorher war der Eingang zum Nationalpark, wo wir erstmal Tickets erwerben mussten. Pro Tag 150 Quetzales, also ca. 18 Euro, und das dann mal drei: Freitag, Samstag, Sonntag. Mein Zimmer ist tatsächlich ein kleines Holzhäuschen mit einem hübschen Doppelbett und einem Mosquitonetz ringsum. Es gibt vier Duschen (wie auf einem Campingplatz); wollte man die Dusche im Zimmer haben, würde man ca. 50 Prozent mehr bezahlen.
Inzwischen habe ich ein köstliches Abendessen intus. Alles schon ziemlich verrückt, denn die Djungle Lodge heißt nicht nur so, sie liegt wirklich im Dschungel: https://junglelodgetikal.com/en/home-english. Ich habe auch schon versucht, alle Touren für morgen zu buchen: die Sonnenaufgangstour (beginnt um 03.45-08.00 Uhr) und eine Tagesführung 1:1, die nach dem Frühstück beginnt, um 10 Uhr und ca. vier Stunden dauert. Danach bin ich vermutlich „reif“. Jetzt muss nur noch die Bezahlung der Sonnenaufgangstour funktionieren. Die Daten im Formular stimmen alle, aber irgendwie gehen sie nicht durch. Ich werde es jetzt gleich nochmal mit den Daten einer anderen Karte probieren, und wenn auch das nicht klappt, muss ich den Rezeptionisten nerven.
So, ca. 45 Minuten später und es hat geklappt – auf seinem Computer. Jetzt trinke ich noch ein zweites Glas Wein in der Hoffnung, dass es mich so müde macht, dass ich mich um 9 Uhr in mein Luxusbett legen kann. Zwischenzeitlich lade ich die antiken Mayafotos endlich ins Netz und diesen Tagebuch-Abschnitt. Hoffentlich verschlafe ich nicht. Um 03.20 muss der Handywecker bimmeln, dann 10 Minuten zum Aufstehen, Wasser ins Gesicht werfen und zur Rezeption gehen, wo’s nen Kaffee geben wird, bevor wir uns auf die Socken machen.
















Bei dir im Dschungel – mit diesen ausstrahlungs-starken historischen Bauten – da wär ich jetzt auch grad gerne 😉
danke für all die Kulturelle Teilhabe die du uns bietest, lieber Bobby, Ich selbst habe mich ja immer schon für die Maya interessiert, speziell für Belize. Schön dass du mir so tiefe Einblicke gewährst. Mögen deine weiteren Expeditionen weiterhin so gut gelingen. Alles Gute und viel Freude und Offenheit.
Schön, von dir zu lesen! 🙂