9. Februar
17.11. Ich sitze in Houston am Gate E4 und warte auf meinen Flug nach Frankfurt um 18.55, also reichlich Zeit für ein paar letzte Notizen zu dieser Reise.
Da mein Flug von Guatemala City nach Houston erst um halb zwei abging, hatte ich noch einen gemütlichen Morgen. Tatsächlich hab ich ne Stunde verschlafen und bin erst um 6 Uhr aufgewacht; aus irgendwelchen Gründen war der Handywecker auf leise gestellt und muss sich totgeklingelt haben. Aber es war ja keinerlei Eile, also gut, war ein langer, tiefer Schlaf. Die Katzenhaare hatten mich noch nicht im Griff. Ich erinnere mich, dass der Uber für 10.30 Uhr bestellt ist. Das kommt mir jetzt doch knapp vor und ich lerne, wie ich meine Buchung bearbeite und auf 10.15 Uhr umstelle.
Meine erste Handlung: unter die Dusche. Aber da war kein Shampoo. Hm, ich kenn mich ja aus hier, also bin ich, leicht fröstelnd, in der Unterhose ins Bad im 1. Stock marschiert, wo ich mich sonst geduscht habe, und da war die Shampooflasche, wie ich sie kannte. Witziges Heimatgefühl: Ich weiß, wo die passende Shampooflasche steht. Hab mich weitgehend fertig gemacht, letzte Sachen gepackt und mich dann um halb neun zu einem letzten Sonnenbad auf die Morgenterrasse gelegt und bin doch glatt noch eingepennt. Der Wecker hat mich nach 35 Minuten aus den Träumen geklingelt.
Zehn vor zehn kündigt die Uber-App den Fahrer an: „Bin gleich da.“ Jetzt kann ich ihm ne Nachricht schicken, er möge bitte zur Casa 51 kommen. Der Koffer wiegt 21 kg, dann gibt’s noch meinen hervorragend reparierten Rucksack, meine Umhängetasche und mein in Karton verpacktes Bild, das ich Eve abgekauft habe. Das hätte ich alles vor zum Tor schleppen können, muss aber nicht sein. Und tatsächlich steht mein Uber fünf Minuten vor der Haustür, ein 24-jähriger, hübscher Fahrer, der mir erzählt, er habe das Geld für das Auto bei einer Bank aufgenommen. Ansonsten ist er noch nicht sehr geübt in Small Talk, weshalb die 75-minütige Fahrt weitgehend schweigend verläuft. Auch recht, ich döse a bissle vor mich hin.
Alles verlief glatt. Tatsächlich muss ich mich in Houston nicht ums Gepäck kümmern. United Airlines checkt es bis Frankfurt durch – einer der Gründe, weshalb ich hier so viel Zeit habe.
17.53. Bin nicht mehr zum Schreiben gekommen, weil sich ein Gespräch mit meinen argentinischen Platznachbarn ergab, ein Vater mit seinem 17-jährigen Sohn Augusto, der in Saarbrücken ein Wirtschaftsstudium beginnt und im selben Flugzeug sein wird. Beide sprechen gut Englisch, der Sohn (natürlich) besser; er hat sogar schon die C1-Prüfung in Deutsch gemacht, ein wunderschöner, charmanter Mensch. Die Mädels werden sich um ihn reißen. In 10 Minuten beginnt das Boarding. Ich bin in Boardinggruppe vier.
Jenseits des Flughafens, auf dem von hier aus sechs große Flugzeuge „geparkt“ sind, geht grade die Sonne in einem glühenden Ball unter; kaum Wolken am jetzt orange leuchtenden Himmel. Links neben mir sitzt jetzt auf den Plätzen, auf denen bis vor Kurzem die beiden Argentinier saßen, ein japanisches (oder so) Ehepaar, er so um die 50, groß und hager, mit einem professoralen Ausdruck, sie vielleicht zehn Jahre jünger, sehr vornehm wirkend, mit schwarzer Brille und ganz in Schwarz gekleidet, was sie nicht davon abhält, sich an einer großen Tüte Haribo-Gummibärchen zu verlustieren. Das einzige Bunte an ihr ist ein feiner, brauner Lederstreifen zwischen der relativ dicken Sohle ihrer nagelneuen Stiefeletten und dem eigentlichen Schuh.
10. Februar
12.52 Ich sitze im Zug nach Würzburg. Alles hat zügig (!) und besser geklappt als sonst, grade so, als wolle mich das Schicksal hier in Deutschland haben. Der erste Blick aus dem Flugzeugfenster bei der Landung: grau, unfreundlich, hart. Ich schlucke nach so viel blauem Himmel, nach so vielen freundlichen Menschen das vierte Adjektiv „deutsch“ herunter und beschließe, diesem Grau alles entgegenzusetzen, worüber ich verfüge. Ich weiß, dass es hier ein paar Menschen gibt, die sich freuen, mich wiederzusehen. Und ich freue mich auf sie. Passt: Nachdem ich mir die Fahrkarte besorgt habe, sitze ich fünf Minuten später im Zug. Obwohl ich nachhause fahre, wirkt die Zukunft offen.
Bild 1: Blick auf den Vulkan Pacay von fern
Bild 2: Unser Führer Gio, ehemaliger Grundschul-Spanischlehrer, danach Ingenieur. Hat nach 10 Jahren seinen Beruf aufgegeben, weil alle Projekte, mit denen er zu tun hatten, Umwelt zerstört haben. Sprach ganz ordentlich Englisch.
Bild 3: Blick übers Land
Bild 4: Vergleich Mensch-Vulkan
Bild 5: 1961 gab es den letzten GROSSEN Ausbruch. Die Lavavalze war mindestens 100 m breit und hat mehrere Dörfer verschüttet.
Bild 6: Wir sind „oben“ am alten Krater; den Kraterrand sieht man links hinten in Form kleiner Hügel. Der neue Vulkan lag rechts von uns.
Bild 7: Der neue Vulkan hat sich seit 1961 mit mehreren kleineren Ausbrüchen rund 500 m aus der Erde gedrückt. Durfte nicht bestiegen werden. Das Pferd hab ich aus Motivgründen dazugenommen. Wir waren zu Fuß unterwegs, Pferde konnten gemietet werden.
Bild 8: Der Boden ist schon in geringer Tiefe heiß genug, dass man Marshmallows grillen kann.
Bild 9: Auf dem Heimweg (links unten unsere Gruppe) erheben sich stolz die Vulkane Fuego (der grade eine Rauchwolke ausstößt) und Agua vor uns.








